Pressemeldungen 2009

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Helfende Hände gegen Ghettobildung

Hörde. Ist in der Politik von Parallelgesellschaften die Rede, meint man zumeist den unfeinen Begriff der "Ghettobildung" ausländischer Mitbürger, die sich nach ihrer Ankunft in einem fremden Land zunächst an Menschen aus einem ihnen bekannten Sprach- ...

... und Kulturkreis orientieren. Um die daraus resultierende Abgrenzung zu vermeiden und die Eingewöhnung zu erleichtern, setzen die Hörder Jusos auf ein australisches Integrationskonzept. Von Janis Brinkmann Die Idee der Jungen Sozialdemokraten basiert auf einem einfachen Prinzip, das man in vielen australischen Gemeinden seit einigen Jahren praktiziert: Jedem Ausländer, der neu in das Stadtgebiet zieht, soll ein Integrationshelfer - so der etwas hölzerner Arbeitstitel - zur Seite gestellt werden. Diese Ehrenamtlichen sind für die neuen Nachbarn informelle Ansprechpartner und sollen ihnen in der oft schwierige Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

"Unser grundlegender Gedanke ging der Frage nach: Was können wir mit wenig Aufwand und großer Wirkung für die Integration vor Ort bewirken?" "Vor Ort", das betont Sebastian Kopietz besonders. Dem 24-Jährigen Pressespecher des SPD-Stadtbezirksvorstandes liegt die lokale Dimension des Projekts am Herzen. Bei einem Aufenthalt in "Down under" konnte sich Kopietz selbst von den Vorteilen einer kleinteiligen Integrationshilfe auf Nachbarschaftsbasis überzeugen: "In Australien ist die Bereitschaft, fremden Menschen in der ersten Zeit die Eingewöhnung zu erleichtern, sehr weit verbreitet." Das Selbstverständnis, neue Mitbürger bei Behördengängen an die Hand zu nehmen und ihnen bei den alltäglichen Herausforderungen zur Hand zu gehen, wollen die Jusos auch in Dortmund fördern.

Antrag einstimmig beschlossen

Vom Einschrauben einer Glühbirne bis zur Einschulung der Kinder: In einem fremden Land werden selbst einfache Dinge durch sprachliche Defizite schnell zu einer großen Hürde. "Viele ausländischen Mitbürger suchen zunächst Hilfe bei Menschen aus ihrem Kulturkreis und fördern so die Bildung von Parallelgesellschaften", skizziert Christian Renno die Problematik. Um die Menschen "nicht im Regen stehen zu lassen" erarbeitete die Juso Arbeitsgruppe Hörde bereits im Februar vergangenen Jahres einen integrationspolitischen Antrag, den der Unterbezirksvorstand nun einstimmig beschloss. Er sei "überrascht, aber sehr erfreut", sagte Christian Renno, Vorsitzender der Hörder Jusos, der die Idee im Rahmen des Projekts "Integration, Toleranz und soziale Vielfalt" mit entwickelte. Natürlich gebe es in Australien neben einer multikulturell geprägten Gesellschaft und der deutlich geringeren Bevölkerungsdichte einige begünstigende Faktoren für die aktive Integration, man wolle jedoch die Idee auch nicht "eins zu eins auf Dortmund übertragen", betonte Renno.

Er und Sebastian Kopietz sehen in den Stadtbezirken ein großes Potenzial ehrenamtlicher Helfer, das man lediglich aktivieren müsse. Die Umsetung der Idee erfordere viel Engagement seitens der Dortmunder doch "die vielen intakten Nachbarschaftsverhältnisse und die Bereitschaft der Bürger an Integration mitzuarbeiten" begründen Kopietz Optimismus.

Wichtiges Thema im Kampf ums Rathaus

Darüber hinaus spüren die Jusos auch in der eigenen Partei einen breiten Rückhalt: Nach dem klaren Votum im Unterbezirk soll sich nun die SPD-Ratsfraktion mit dem Antrag befassen. Sebastian Kopietz sieht in dem Konzept einen Trumpf seiner Partei im Wahlkampf um das Rathaus: "Integration ist ein zentrales und spannendes Thema mit dem wir offensiv Politik machen können."


Westfälische Rundschau, 03.01.2009: